Keine Angst vor der Angst

Keine Angst vor der Angst


Angst kennt jeder – Angst ist ein ganz normaler natürlicher Prozess.

Angst löst komplexe Reaktionen im Nerven- und Hormonsystem aus. Hormone wie Adrenalin und Cortisol werden freigesetzt, um den Körper auf eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion vorzubereiten.

Diese biologischen Reaktionen erhöhen die Herzfrequenz, versorgen die Muskulatur mit Energie und steigern die Aufmerksamkeit, um auf die wahrgenommene Bedrohung zu reagieren.

Das Angstgefühl steht darüber hinaus auch in einem komplexen Zusammenhang mit dem Belohnungssystem im Gehirn. Während das Belohnungssystem in erster Linie mit positiven Verstärkungen und angenehmen Erfahrungen in Verbindung steht, kann es auch eine Rolle bei der Regulierung von Angst spielen.

Guter Umgang mit der Angst führt zu Belohnung


Das Belohnungssystem im Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von Endorphinen und anderen Neurotransmittern, die Glücksgefühle und positive Verstärkung erzeugen. Dieses System ist stark mit Motivation, Emotionen, Lernen und Verstärkung verbunden. Es kann dazu beitragen, positive Emotionen, Glücksgefühle und Motivation zu erleben, was wiederum das Verhalten verstärkt, das zu dieser Belohnung geführt hat.

Wenn eine angenehme Erfahrung oder ein stimulierender Reiz wahrgenommen wird, wird Dopamin, ein weiterer Neurotransmitter, im Belohnungssystem freigesetzt. Dopamin spielt eine Schlüsselrolle bei der Signalübertragung und Belohnungsverstärkung.

Endorphine, als Teil dieses Systems, verstärken diese positiven Empfindungen zusätzlich, da sie auch während angenehmer Erfahrungen freigesetzt werden und zu einem gesteigerten Wohlbefinden beitragen.

Endorphine, die “Manager” von Glücksgefühlen


Endorphine sind körpereigene Substanzen, die von bestimmten Nervenzellen im Gehirn und im Körper produziert werden. In Bezug auf Angst können Endorphine eine Rolle spielen, indem sie Stress und Unbehagen reduzieren. In Situationen, in denen Angst abgebaut oder überwunden wird, wie durch Bewegung, Lachen, oder auch Entspannungsübungen, können Endorphine freigesetzt werden und zu einem Gefühl der Entspannung und Zufriedenheit beitragen.

Endorphine sind ursächlich für Glücksgefühle. Sie sind körpereigene Neurotransmitter, die eine ähnliche Wirkung wie Opioide haben und im Gehirn produziert werden. Sie binden an bestimmte Rezeptoren im Gehirn an, insbesondere an die Opioidrezeptoren, und können dadurch Gefühle von Euphorie und Freude erzeugen.

Wenn Endorphine freigesetzt werden, sei es durch körperliche Aktivität, soziale Interaktion, Essen von Schokolade oder andere positive Erfahrungen, können sie Glücksgefühle, Entspannung und ein allgemeines Gefühl des Wohlbefindens hervorrufen. Daher werden sie oft als “Glückshormone” bezeichnet.

Insgesamt arbeiten Dopamin, Endorphine und das Belohnungssystem eng zusammen, um angenehme Erfahrungen zu verstärken und motivierendes Verhalten zu fördern.

Auf die Produktion von Neurotransmittern und deren Wirkung Einfluss nehmen


Der Mensch kann auf die Produktion von Neurotransmittern und deren Wirkung sowohl positiv als auch negativ Einfluss nehmen, hauptsächlich durch Lifestyle-Entscheidungen, Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und in einigen Fällen auch durch medizinische Interventionen.

Hier sind einige Wege, wie das möglich ist:

  • Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichenden Mengen an Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen kann die Produktion von Neurotransmittern unterstützen. Zum Beispiel sind Aminosäuren die Bausteine vieler Neurotransmitter. Eine ungesunde Ernährung hingegen, mit Mangel an essenziellen Nährstoffen, kann die Produktion und Funktion von Neurotransmittern beeinträchtigen.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Freisetzung von Endorphinen steigern, was zu einem verbesserten Wohlbefinden und einer positiven Stimmung beiträgt.
  • Stress reduzieren und Cortisolspiegel senken, können die Freisetzung von beruhigenden Neurotransmittern wie GABA fördern. Chronischer Stress dagegen, kann zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter führen, insbesondere zu einem Anstieg von Cortisol und einer Abnahme von Dopamin und Serotonin.
  • Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns und die Regulierung von Neurotransmittern, insbesondere Serotonin. Chronischer Schlafmangel andererseits, kann die Freisetzung von Neurotransmittern stören und sich negativ auf die kognitive Funktion und Stimmung auswirken.
  • Positive soziale Interaktionen und enge Beziehungen können die Freisetzung von Oxytocin, einem Bindungsneurotransmitter, fördern.
  • Missbrauch von Alkohol oder Drogen kann die Produktion und Funktion von Neurotransmittern beeinträchtigen und langfristig zu negativen Auswirkungen auf das Nervensystem führen.

Angst aus psychologischer Sicht


Angst ist aus psychologischer Sicht eine komplexe emotionale Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung, die körperliche, kognitive und Verhaltenskomponenten umfassen kann. Sie ist oft mit einem starken Unbehagen, Nervosität und einem Drang zur Flucht oder Vermeidung verbunden.

Psychologisch gesehen kann der Mensch auf Angst mit verschiedenen Mechanismen reagieren, darunter Bewältigungsstrategien wie Vermeidung, Ablenkung, positive Neubewertung oder kognitive Umstrukturierung.

Zwischen Angst und Belohnung soll ein ausgeglichenes Verhältnis bestehen, um die täglichen Herausforderungen zu managen.

Gestörte Balance zwischen Angst und Belohnung


Ein Betroffener kann einige Anzeichen und Symptome erkennen, die auf eine gestörte Balance zwischen Angst und Belohnung hindeuten.

Anzeichen für gestörte Balance:

  • Häufige und übermäßige Angstgefühle, die das tägliche Leben beeinträchtigen.
  • Ständige Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Gefühl der Leere, das über einen längeren Zeitraum anhält.
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, die normalerweise Freude bereiten.
  • Unkontrollierbares oder zwanghaftes Verlangen nach bestimmten Substanzen, Verhaltensweisen oder Belohnungen.
  • Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung gesunder Beziehungen aufgrund von Angst, Isolation oder Abhängigkeiten.

Hilfen bei gestörter Balance:

  • Lernen von Bewältigungsstrategien wie Achtsamkeit, kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken oder Stressmanagement, um mit Angst umzugehen und die Belohnungsgier zu verringern.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität und Bewegung können die Freisetzung von Endorphinen stimulieren, die das Wohlbefinden fördern und Stress abbauen können.
  • Gesunde ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf spielen eine entscheidende Rolle für die Stabilisierung der Neurotransmitterproduktion und das emotionale Gleichgewicht.
  • Soziale Unterstützung und gesunde soziale Beziehungen, über Gefühle sprechen und Sorgen mit Freunden oder Familienmitgliedern teilen, um emotionale Unterstützung zu erhalten.
  • Sich Zeit nehmen für Selbstreflexion, um Ängste und Abhängigkeiten zu verstehen, und Achtsamkeit praktizieren, um im Moment zu leben und besser mit Stress umzugehen.

Psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe


Es ist keine Scham oder Schwäche ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychiater und Psychotherapeuten sind speziell ausgebildet, um Menschen bei der Bewältigung verschiedener psychischer Herausforderungen zu unterstützen. Früherkennung und rechtzeitige Intervention können dazu beitragen, langfristige Probleme zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Ein erfahrener Therapeut oder Psychologe kann dabei helfen, die Ursachen der Angst oder der Tendenz zur Belohnungssucht zu verstehen und angemessene Behandlungen oder Bewältigungsstrategien vorzuschlagen. Therapieansätze wie kognitive Verhaltenstherapie können helfen, negative Denkmuster zu identifizieren und zu ändern.

Wenn es um die persönliche Zufriedenheit und das emotionale Wohlbefinden geht, in denen es sinnvoll sein kann, professionelle Hilfe in Betracht zu ziehen, sollten folgende Anzeichen und Situationen beachtet werden:

  • Wenn Ängste über einen längeren Zeitraum anhalten, intensiv sind und das tägliche Leben beeinträchtigen
  • Wenn Gefühle der Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Traurigkeit länger als zwei Wochen andauern.
  • Bei Schwierigkeiten, Suchtverhalten zu kontrollieren, seien es Alkohol, Drogen, Glücksspiel oder andere Süchte.
  • Wenn Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen dauerhaft das Wohlbefinden beeinträchtigen.
  • Bei Selbstverletzungen, Suizidgedanken oder dem Gefühl, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist.
  • Wenn der Umgang mit Stress, Druck oder Lebensveränderungen schwerfällt und negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat.
  • Wenn emotionale Probleme die Fähigkeit zur täglichen Funktionsfähigkeit beeinträchtigen, wie Arbeitsleistung, soziale Interaktionen oder Selbstpflege.
  • Bei wiederkehrenden oder anhaltenden psychischen Problemen, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Wenn man emotionale Symptome erfährt, die schwer zu verstehen oder zu bewältigen sind.
  • Wenn das tägliche Leben beeinträchtigt ist – also ein echter Leidensdruck vorliegt.

Bei ernsthaften neurologischen oder psychiatrischen Problemen sollte immer professionelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

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