Long-Covid-Patienten zeigen weiterhin Covid-19 Symptome

Post Covid Syndrom

Long-Covid, auch Post-COVID-Syndrom genannt, ist offensichtlich eine Langzeitfolge der Coronavirus-Krankheit (COVID-19), ausgelöst durch das Coronavirus SARS-CoV-2, bei der auch nach der akuten Erkrankung noch Symptome weiterbestehen.

Der folgende Artikel soll nicht Selbstdiagnose-Zwecken dienen und ersetzt in keinem Fall eine ausführliche Beratung durch ärztliches oder psychotherapeutisches Fachpersonal. Der Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

Eine frühe Analyse des britischen „National Institute for Health Research“ führt aus, dass „Long Covid“ auf folgende Syndrome zurückzuführen sein könnte:

  • dauerhafte Schädigung der Lunge und des Herzens
  • Post-Intensivpflege-Syndrom
  • postvirales Müdigkeitssyndrom und anhaltende COVID-19 Symptome

Die Symptome reichen von schwerwiegenden Lungenschäden über Entzündungsreaktionen und Veränderungen an verschiedenen Organen bis zu Atemnot und Fatigue. Eine Post-Covid-Fatigue ist nicht mit einem normalen Erschöpfungszustand bei Gesunden gleichzusetzen. Vielmehr werden selbst kleinere Anforderungen als Überforderung wahrgenommen und gehen mit chronischem Müdigkeitsempfinden und einem Leistungsknick einher. Gerade die Post-COVID-Müdigkeit oder –Fatigue kann offenbar auch nach milden Verläufen auftreten.

Betroffene haben auch von Schäden am Herzen, dem Herz-Kreislauf-System und Veränderungen am Gehirn berichtet. Auch Gelenkschmerzen sind ein typisches Symptom oder Neigung zu schnellem Herzschlag oder zu Blutdruckerhöhung, womit man sonst überhaupt kein Problem hatte. Ebenso ein ganz häufiges Symptom ist Haarausfall. Zusätzliche psychologische Symptome wie Depressionen wurden beobachtet. Spätfolgen können ein bis vier Monate nach der Corona-Infektion auftreten.

Studie: Long Covid Risikofaktoren

Mehrere Studien haben für „Long Covid“ folgende Risikofaktoren aufgezeigt:

  • Menschen über 50 Jahre
  • jüngere Frauen
  • Übergewicht
  • Asthma
  • mehr als fünf Symptome in der ersten Woche einer COVID-19-Infektion (Husten, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Verlust des Geruchssinns)
  • Long-Covid-Betroffene fühlen sich „abgehangen“

Long Covid ist ein Begriff, den betroffene Patienten selbst erstellt haben, um auf ihre Belastungen aufmerksam zu machen. Berichten zufolge hat „Elisa Perego“ im Mai 2020 diesen Begriff erstmals als Hashtag auf Twitter verwendet.

Viele Long-Covid-Betroffene fühlen sich vom Gesundheitssystem und von Behörden zu wenig beachtet. Denn sie glauben, kein Verständnis für dieses Syndrom und nicht genügend Aufmerksamkeit zu erhalten. Daher schließen sie sich teilweise Social-Media-Gruppen an oder beteiligen sich an regionalen oder internationalen Selbsthilfegruppen. In vielen dieser Gruppen berichten Long-Covid-Betroffene über die bislang unbekannten Herausforderungen, die das Leben mit ihren Symptomen mit sich bringt.

Die Betroffenen fordern über unterschiedlichste Aktivitäten, dass ihre Beschwerden gesellschaftlich und medizinisch anerkannt werden. Besonders beklagen sie, dass es an einer flächendeckenden Infrastruktur zur Unterstützung der ehemaligen Corona-Patienten mangelt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet von einer Post-Covid-Studie, die 2020 in Wuhan durchgeführt wurde. Hierbei hat eine telefonische Befragung unterschiedlichste psychische Belastungszustände deutlich gemacht. Von den Befragten Personen hatten:

  • 47,3% Angstzustände
  • 19,9% Schlafprobleme
  • 15,3% somatoforme Symptome
  • 16,1% depressive Symptome
  • 1,4% andere emotionale Zustände (wie Einsamkeit, Müdigkeit und Unruhe)
  • Long-Covid-Betroffene haben zwischenzeitlich das Bundesministerium für Gesundheit aufgefordert
  • regionale, fachübergreifende Ambulanzen zur Akut- und Langzeitbehandlung der Langzeitbetroffenen einzurichten
  • die COVID-19-Langzeiterkrankung und die damit verbundene Arbeitsunfähigkeit öffentlich als solche anzuerkennen
  • Studien zu fördern, um die Grundlagen der Erkrankung zu erforschen
  • fachübergreifende medizinische Leitlinien zu fördern, damit Hausärzte und Internisten bundesweit der neuen Evidenz gerecht behandeln können
  • eine „Symptom-Tracking-App“ gemäß der englischen App „Zoe“ zu fördern, um schwere oder lange Verläufe vorherzusagen und zu betreuen

Emotionaler Stress kann bei Long Covid körperliche Beschwerden verursachen

Laut britischen Forschern erkrankt eine von acht Personen, die sich mit Covid-19 angesteckt hatten, innerhalb von sechs Monaten nach dem positiven Corona-Test zum ersten Mal an einer psychiatrischen oder neurologischen Erkrankung. Bei Berücksichtigung psychischer oder neurologischer Vorerkrankungen waren die Fälle dreimal so hoch. Die meisten Diagnosen nach Covid-19 betrafen Schlaganfall, Blutungen im Schädel oder im Gehirn, Demenz und psychotische Störungen.

Zudem kann sich der emotionale Stress auch in Form von körperlichen Beschwerden, wie Herzklopfen, Atemnot, Engegefühl in der Brust, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Einschlafstörungen und Albträumen äußern. Darüber hinaus haben einige Long-Covid-Betroffene neurologische Probleme wie Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen oder Geschmacks- und Geruchsverlust.

Long Covid und psychosoziale Auswirkungen

Das Ausmaß der langfristigen psychosozialen Folgen des weltweit verbreiteten Coronavirus wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Derzeit gelten 2,4 Millionen Menschen in Deutschland als „genesen“ (lt. RKI vom 22. März 2021). Einige der in der Statistik auftauchenden Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung eigentlich überstanden haben, klagen dennoch über bleibende Symptome. Angstzustände und Depressionen nehmen zu. Auch kommt es zu Schlafstörungen, Wiedererinnern von Traumatisierungen und familiäre Konflikte.

Die Corona-Pandemie greift in den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Für viele bedeutet das den Verlust von Tagesstruktur und Routinen. Sport und Bewegung kommen oft zu kurz. Außerdem fehlende soziale Kontakte, hinzu kommen unsichere Ängste zu Schulabschluss und Praktika. Vielfach beschränkt sich der Alltag auf das häusliche Umfeld, Konflikte zwischen Geschwistern und zwischen Eltern und Kindern nehmen zu.

Zudem treten immer häufiger besonders gravierende Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen auf. Das sogenannten „Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ – kurz PIMS – zeigt Störungen des Immunsystems mit zum Teil lebensgefährlichen Folgen für die Jungen und Mädchen. Bei jedem zehnten Kind bleiben möglicherweise trotz guter Behandlungsmöglichkeiten dauerhafte Probleme zurück.

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Post Covid Syndrom

Das sollten Long-Covid-Betroffene beachten

Affektive Störungen und Depressionen können sich verschlimmern. Negative Stimmung, auch Sorgen und Ängste können zunehmen. Gerade wenn man ein eher ängstlicher Mensch ist, können leicht Gefühle von Panik und Hilflosigkeit entstehen.

Sorgen um die Gesundheit der Eltern, der Großeltern, um die eigene Gesundheit, wirtschaftliche Existenzängste und eine unklare Perspektive können Einfluss auf das akute Befinden haben. Ebenso stellen ein mögliches Home-Office, der Wegfall vieler ausgleichender Freizeitaktivitäten und die Beschränkung auf die eigenen vier Wände, Familien und Lebensgemeinschaften vor enorme Herausforderungen.

Völlig unvorbereitet sehen sich viele Menschen aus der üblichen Routine geworfen und stehen vor der Herausforderung, das Leben neu zu ordnen. Die Zahlen häuslicher Gewalt steigen. Das „andere“ Zusammenleben bedeutet viel Stress. Es stellt die Menschen vor neue Herausforderungen mit der Stresssituation umzugehen.

Angst ist auch bei Long Covid etwas Normales

Die vielen angstmachenden Informationen können einen negativen Teufelskreislauf bewirken, der bestimmte Bereiche im Gehirn in Aufregung versetzt. Gerade Betroffene, die in ihrem Leben schon ein- oder mehrmals traumatisierende Erfahrungen machen mussten, werden hier besonders belastet.

Gerade für Post-Covid-Betroffene ist die Unsicherheit groß, was denn jetzt zu tun ist. Dies kann zu neuer Hilflosigkeit und zunehmender Unruhe, Angst und Panik führen.

In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen besteht die Gefahr einer Zunahme von Alkoholkonsum und anderer Substanzen. Auch eine neue Abhängigkeit von Online-Spielen und ein pathologischer Computer-Gebrauch kann sich entwickeln. Gerade bei Langeweile werden solche Angebote zu erheblichen Risiken.

Aktuelle Therapie für Post-Covid-19-Patienten

Long-Covid-Patienten beschreiben vor allem in den ersten Monaten nach dem Infekt, dass eine Überschreitung ihrer Energiegrenze zu einer Verschlechterung des Zustandes führt. Gerade bei einem Post-Covid-Fatigue-Syndrom sollte die eigene Leistungsfähigkeit nicht überfordert werden. Vielmehr sollten sich die Betroffenen Aufgaben in kleinere, zu bewältigende Einheiten unterteilen. Auch das Setzen von Prioritäten erscheint wichtig. Anstrengende Aufgaben sollten am besten über mehrere Tage verteilt werden.

Die Betroffenen sollten zunächst psychosomatisch diagnostiziert werden, damit dann eine produktive Therapie begonnen werden kann. Wenn auch aktuell davon auszugehen ist, dass sich bei den meisten Betroffenen die Symptome wieder bessern werden, sollte baldmöglichst eine geeignete Therapie begonnen werden.

Die Ursachen für die Post-Covid-Symptome sind derzeit noch unzureichend erforscht. Man nimmt an, dass der über mehrere Wochen oder gar Monate andauernden Prozess, in dem der Körper die Entzündungsreaktionen abbauen musste, die Hauptursache ist. Auch das Immunsystem war ständig aktiv, um die im Körper vorhandene Viren zu reaktivieren. Dadurch können die psychischen Symptome einer Post-Covid-Erkrankung entstanden und durch die Infektion intensiviert worden sein.

Aus diesem Grund ist es angeraten, dass Long-Covid-Betroffene besonders bei lang andauernden affektiven Verstimmungen (wie zum Beispiel einer Depression) oder bei Ängsten, Schlafstörungen und post-traumatischen Belastungssyndromen, baldmöglichst professionelle, psychotherapeutische oder auch neurologische Hilfe in Anspruch nehmen. Der Körper und die Psyche brauchen jetzt Hilfe und ausreichend Zeit mit den Folgen einer Corona-Infektion fertig zu werden.

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