Verhaltensaktivierung

Depressionen bei Herzinsuffizienz


Etwa die Hälfte der Patienten mit Herzinsuffizienz leidet unter Depressionen, und es wird angenommen, dass sowohl biologische als auch psychosoziale Faktoren dazu beitragen.
 
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sind Depressionen ein bedeutendes Problem, das oft übersehen wird. Der Rückzug aus dem sozialen Leben und das Gefühl von Selbstmitleid können zur Entwicklung einer Depression beitragen. Diese Depressionen können sich negativ auf die Herzfunktion auswirken und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten erhöhen.

Verhaltensaktivierung statt Medikamente ?


Die Behandlung von Depressionen bei Herzinsuffizienzpatienten besteht typischerweise aus der Verabreichung von Antidepressiva. Allerdings könnte eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Psychotherapie eine vielversprechende Alternative darstellen.
 
Die Verhaltensaktivierung, eine Form der Psychotherapie, hat in einer randomisierten Studie mit Patienten am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles vielversprechende Ergebnisse gezeigt.
 
Die Studie, veröffentlicht in JAMA Network Open, ergab, dass Verhaltensaktivierung Depressionen von Patienten mit Herzinsuffizienz signifikant lindern konnte. Dabei zeigte die Verhaltensaktivierung eine ähnlich gute Wirksamkeit wie eine medikamentöse Therapie.
 
In der Studie wurden Patienten mit einer schweren Depression, die einen Score von mindestens 10 Punkten im “Patient Health Questionnaire-9” (PHQ-9) aufwiesen, eingeschlossen. Die Verhaltensaktivierung bestand aus wöchentlichen Therapiesitzungen in den ersten 12 Wochen, gefolgt von monatlichen Treffen und späteren Treffen nach Bedarf. Die andere Gruppe erhielt eine konventionelle medikamentöse Therapie.
 
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass sowohl die Verhaltensaktivierung als auch die medikamentöse Therapie zu einer signifikanten Verbesserung der Depressionssymptome führten. Die meisten Patienten in beiden Gruppen litten nach der Behandlung nur noch unter einer minimalen oder milden Depression. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Herzinsuffizienz-spezifische Lebensqualität verbesserten sich in beiden Gruppen.
 
Die Verhaltensaktivierung erwies sich als besonders vorteilhaft, da die Patienten dieser Gruppe seltener die Notaufnahme aufsuchten und weniger Tage im Krankenhaus verbrachten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verhaltensaktivierung eine vielversprechende Alternative für Patienten mit Herzinsuffizienz und Depression sein kann, insbesondere für diejenigen, die keine Medikamente einnehmen möchten.

Verhaltensaktivierung fördert positive Emotionen


Die Verhaltensaktivierung ist eine therapeutische Intervention, die darauf abzielt, das Verhalten von Personen mit Depression zu ändern, indem sie sich auf Aktivitäten konzentriert, die positive Emotionen und Erfahrungen fördern. Sie ist eine gezielte Maßnahme, um positive Veränderungen im Verhalten und in der Denkweise zu bewirken.
 
In der Verhaltensaktivierung werden Menschen dazu ermutigt, sich bewusst für Aktivitäten zu entscheiden, die sie als lohnend, befriedigend oder bedeutsam empfinden, auch wenn es anfangs schwerfallen mag. Die Verhaltensaktivierung basiert also auf dem Konzept, dass das Verhalten einen wesentlichen Einfluss auf die Emotionen hat und umgekehrt.
 
Durch die Teilnahme an diesen Aktivitäten können Betroffene positive Emotionen erleben, ihre Stimmung verbessern und die Spirale der Depression durchbrechen. Indem sie sich aktiv engagieren und positive Erfahrungen sammeln, können die Betroffenen dazu beitragen, ihre Stimmung zu verbessern und die Depression zu überwinden.

Realistische Selbsteinschätzung – der Schlüssel


Es ist jedoch für Betroffene mit Depression bei Herzinsuffizienz entscheidend, dass sie ihre Situation realistisch einschätzen. Indem Betroffene sich bewusst machen – ohne dabei zu dramatisieren – wie ihre Situation ist, können sie realistische Einschätzungen treffen und Strategien entwickeln, um besser mit ihrer Herzinsuffizienz und Depression umzugehen.
 
Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Informationen suchen
    Betroffene sollten sich über ihre Erkrankung informieren, um ein besseres Verständnis für die Ursachen, Symptome und den Verlauf der Herzinsuffizienz sowie der Depression zu erhalten. Verlässliche Quellen wie medizinische Fachliteratur oder Websites von vertrauenswürdigen Gesundheitsorganisationen bieten umfangreiche Informationen.
  • Offene Kommunikation
    Gefühle, Bedenken und Fragen bezüglich Herzinsuffizienz und Depression sollten offen mit dem Arzt besprochen werden. Der Arzt kann helfen, die Realität der Situation einzuschätzen und die notwendige Unterstützung und Behandlung anbieten.
  • Selbstbeobachtung
    Betroffene sollten sich bewusst Zeit nehmen, um ihre eigenen Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen zu beobachten. Das Aufschreiben von Tagebucheinträgen oder das Führen eines Symptomtagebuchs kann dabei helfen, Muster und Zusammenhänge zu erkennen und besser zu verstehen.
  • Realistische Ziele setzen
    Im Umgang mit Herzinsuffizienz und Depression sollten realistische Ziele gesetzt werden. Erreichbare Ziele sollten Schritt für Schritt geplant und angegangen werde. Hierbei werden realistische Aktivitäten und Maßnahmen helfen, die Lebensqualität zu verbessern.
  • Akzeptanz und Selbstfürsorge
    Betroffene müssen ihre Gefühle und Situation akzeptieren, ohne sich selbst zu verurteilen. Auch ist es wichtig, sich selbst Mitgefühl und Selbstfürsorge entgegenzubringen. Zeit für Ruhepausen, die Pflege gesunder Gewohnheiten und die Suchen nach Möglichkeiten, sich selbst Gutes zu tun, sind wesentliche Voraussetzungen.
  • Unterstützung suchen
    Freunden, Familie oder Selbsthilfegruppen für Menschen mit Herzinsuffizienz und Depression können unterstützend helfen, wenn sie offen angesprochen werden. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, sich weniger allein und besser verstanden zu fühlen.

Verhaltensaktivierung – eine Form der Psychotherapie


Die Verhaltensaktivierung ist eine Form der Psychotherapie, die darauf abzielt, depressive Symptome zu lindern, indem sie das Verhalten des Patienten aktiviert und positive Aktivitäten fördert. Im Gegensatz zu anderen Formen der Psychotherapie konzentriert sich die Verhaltensaktivierung auf die Förderung konkreter Verhaltensänderungen.
 
Das grundlegende Prinzip der Verhaltensaktivierung ist demnach, die Verbindung zwischen Aktivität und Stimmung zu verstehen und zu nutzen. Oftmals ziehen sich Menschen mit Depressionen zurück und vermeiden Aktivitäten, die ihnen einst Freude bereitet haben. Durch die Verhaltensaktivierung werden die Patienten ermutigt, diese Aktivitäten wieder aufzunehmen oder neue, positive Aktivitäten zu entdecken.

Die Therapie umfasst normalerweise mehrere Schritte:

  • Analyse der Aktivitäten
    Der Therapeut hilft dem Patienten, seine täglichen Aktivitäten zu analysieren und festzustellen, welche Aktivitäten positive Emotionen auslösen könnten.
  • Aktionsplanung
    Basierend auf der Analyse werden konkrete Aktionspläne entwickelt, um positive Aktivitäten zu integrieren. Diese Pläne können kleine Schritte umfassen, die leicht umzusetzen sind.
  • Umsetzung und Bewertung
    Der Patient setzt die geplanten Aktivitäten um und bewertet anschließend, wie sie sich auf seine Stimmung auswirken.
  • Anpassung
    Bei Bedarf werden die Aktionspläne angepasst und neue Aktivitäten eingeführt, um das Wohlbefinden weiter zu verbessern.

Die Verhaltensaktivierung kann einzeln oder in Kombination mit anderen Therapieformen eingesetzt werden und hat sich als wirksam bei der Behandlung von Depressionen erwiesen, besonders Depressionen im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz.

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